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PLATTFORM

Eröffnung: 22. September 2018, 16.00 Uhr Haus des Lebens, Unter der Leithen 1, 3341 Ybbsitz

Platzgestaltung beim Haus des Lebens Ybbsitz von Leo Schatzl, Lehrendem der Experimentellen Gestaltung an der Kunstuniversität Linz.

Zur Eröffnung sprechen:
Josef Hofmarcher, Bürgermeister der Marktgemeinde Ybbsitz
Cornelia Offergeld, Kunsthistorikerin
Andreas Hanger, Abgeordneter zum Nationalrat in Vertretung von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner

Shuttlebus ab 15 TeilnehmerInnen von Wien nach Ybbsitz, ab Wien zwischen Universität und Rathauspark.
Abfahrt: 13.15 Uhr, Rückfahrt: 18.30 Uhr.
Um Anmeldung wird gebeten bis 20. September 2018 unter +43 (0) 2742 9005 13504 oder publicart@noel.gv.at.
Standort Geodaten: 47.946985, 14.894405

Eine Kooperation der Marktgemeinde Ybbsitz und der Abteilung Kunst und Kultur des Landes Niederösterreich / Kunst im öffentlichen Raum.

künstlerische Konzeption und Gestaltung: Leo Schatzl

Leo Schatzls Installation beim Haus des Lebens in Ybbsitz ist eine offene „Plattform“, die auf verschiedenste Arten genutzt werden kann: als Bühne, Versammlungsplatz, Rückzugsort oder auch als freier, über den Bach auskragender Denkraum außerhalb des dörflichen Alltagsgeschehens. Man kann hier landen, man kann sich auch einschiffen – in einer fiktiven Seemannsromantik natürlich – und von Ybbsitz, dem kleinen Ort in Niederösterreich mit der großen Schmiedetradition („Schmieden in Ybbsitz“ ist in der Liste des Immateriellen UNESCO Weltkulturerbes aufgenommen) in die große weite Welt aufbrechen.

Für die „Plattform“ orientierte sich Leo Schatzl zunächst an den bestehenden Bauten und Terrassen, die über dem Prollingbach hinauskragen und verband diese alte Bauweise der minimalen Landgewinnung mit neuen formalen und gedanklichen Impulsen. Ein Industrie-Metall-Container wurde „entmantelt“ und mit massiven Stahlteilen zu einer offenen, überdachten Plattform verstärkt, die nun zwei Meter vom Ufer weg über dem Bach hinausragt. Die Stufen, die vom Parkplatz zu ihr hinaufführen, sind gleichzeitig als Sitzpodeste nutzbar. Aus den Seitenteilen des Containers wurden Tröge gefertigt, die von den BewohnerInnen des Ortes bepflanzt werden können. Über der „Plattform“ schwebt ein einfaches und gleichzeitig symbolträchtiges Leuchtzeichen, das Schatzl speziell für die Installation entwickelte: Ein Ring aus glasfaserverstärktem Kunststoff über einer dünnen Eisenkonstruktion von zwei Meter Durchmesser auf einem elfenbeinförmig gebogenen Rohr ist in der Nacht weithin sichtbar und kennzeichnet die Plattform unmissverständlich als eine Art metaphorischen Hafen für Zusammenkunft und Gemeinschaft.

Leo Schatzl liefert damit eine Rahmenkonstruktion aus Containerteilen, die durch Möblierung wie durch soziale Handlungen genutzt und erweitert werden kann. Gleichzeitig thematisiert er Formen der Mobilität und des temporären Verweilens durch Container und Plattformen – von ökonomisch über romantisch bis prekär – und wirft damit auch Fragen nach den sozialen und politischen Aspekten von Plattformen auf, die in aktuellen Wortschöpfungen wie „Anlandeplattform“ oder „Ausschiffungsplattform“ für Flüchtlingslager in Nordafrika in der Asylpolitik ihren Ausdruck finden. In seiner künstlerischen Arbeit rückt er immer wieder Objekte aus ihren angestammten (Bedeutungs-)Räumen und stellt sie so selbstreflexiv infrage. Dabei vermittelt er auch eine grundlegende Skepsis gegenüber physischen wie geistigen Eingrenzungen und territorialen Machtansprüchen. Leo Schatzl schafft „negative Skulpturen“, indem er Leerräume für soziale Funktionen entwirft. Neben aller Skepsis schwingt dabei immer auch eine romantische Hoffnung auf die Möglichkeit von Freiräumen mit.

www.publicart.at

© Leo Schatzl "PLATTFORM", Ybbsitz, 2018