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Christian Kohner-Kahler

 

Beginn des PhD Studiums: WS 2014/15

Betreuung:
Robert Pfaller

Das Dissertationsvorhaben untersucht die politischen Schäden, die der Opferdiskurs – die gesellschaftliche Aufwertung inferiorer menschlicher Erfahrungen – für die Zivilgesellschaft bereithält. Die Anerkennung persönlicher Leidensschicksale im Rahmen rechtlicher Regulationsverfahren („Opferrechte“) führt als ungeliebten Schatten die Einschränkung bürgerlicher Freiheitsrechte mit sich. Die Sorge um individuelles Wohl und Recht geht zu Lasten eines allgemeinen Wohls der Gesellschaft. Das Opfer ist dabei der ideale Protagonist einer neoliberalen Politik: soziale Ängste und Sorgen als Reaktion auf politisch-strukturelle Entsolidarisierungsprozesse werden individualisiert, die gesellschaftliche Utopie heißt heute  „Sicherheit“ und nicht mehr „Freiheit“.

Insofern „das Opfer“ aus einer geschwächten Position seine Klage erhebt, führen politische Reaktions- und Schutzformen  zu Regulativen der Bevormundung und Entmündigung. „Das Opfer“ hat dabei einen starken Verbündeten zum Vorbild: das Kind. Die Problematisierung des Kindeswohls und die Etablierung von Kinderrechten wurden in den letzten drei Jahrzehnten vom medialen Interesse an victimstories und den Anerkennungsverfahren für Opferpositionen flankiert. Die Arbeit befragt unterschiedliche Diskurse der vergangenen Jahrzehnte und legt einen „Schadensbericht“ vor. Anstelle der Opferposition als „falsche Antwort“ auf gesellschaftliche Strukturveränderungen sucht sie nach Alternativen einer Repolitisierung.