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Dingdingdong. Über einen Fall spekulativer Aktivierung von Möglichem

18. Juni 2019, 18.00 Uhr Expostmusik, Domgasse 1, 4. OG, Linz

Vortrag von  Katrin Solhdju im Rahmen der Reihe "relatifs".

Dingdingdong, das Institut zur Ko-produktion von Wissen über die Huntington-Krankheit wurde als Reaktion auf die dramatischen Auswirkungen aktueller medizinischer Definitionen und kulturell zirkulierender Bilder über diese Krankheit ins Leben gerufen. Diese neuroevolutive, hereditäre, genetisch vorhersagbare und bis heute unheilbar gebliebene Krankheit wird nicht selten als die schrecklichste, unerträglichste und grausamste aller Krankheiten dargestellt. Das pluridisziplinäre Kollektiv ist, ausgehend von den Erfahrungen Alice Rivières, die Wette eingegangen, dass es möglich sei, mit anderen als naturwissenschaftlichen Mitteln in die Naturgeschichte von Krankheit zu intervenieren. Im Rahmen unseres 2012 gestarteten Abenteuers gehen kulturgeschichtliche, künstlerische und philosophische Forschungen Hand in Hand mit ganz konkreten Formen gesundheitspolitischen Aktivismus. Zu Beginn war Dingdingdong ein Bluff: ein Institut das einzig in Form einer Website existierte; mittlerweile ist es weitaus mehr. In meinem Vortrag werde ich die für unser Kollektiv konstitutive Allianz mit der pragmatistischen Philosophie (William James) einerseits, sowie mit spekulativer, kosmopolitischer Forschung (Isabelle Stengers ist eine unserer Gründungsmitglieder) andererseits herausarbeiten. Es wird dabei deutlich werden, inwiefern die von uns eingegangene Ausgangswette begonnen hat, ganz real Einfluss auf die Huntington-Krankheit und auf diejenigen zu nehmen, die auf die eine oder andere Weise von ihr betroffen sind.

Katrin Solhdju ist Forschungsprofessorin des belgischen Fonds de la recherche scientifique (FNRS). Sie lehrt am Fachbereich Soziologie und Anthropologie der Université de Mons davor war sie Research Fellow des Fonds Wetenschappelijk Onderzoek – Vlaanderen (FWO) mit dem Projekt „Towards New Ecologies of Medical Diagnostics“ an der Vrije Universiteit Brussels. ist Gründungsmitglied des Kollektivs „Dingdingdong. Institut zur Koproduktion von Wissen über die Huntington-Krankheit“. Ihre Forschungsschwerpunkte liegen bei der Geschichte und Theorie des Lebenswissens sowie dem Pragmatismus und den Medical Humanities. Sie ist außerdem Mitglied der Groupe d’étude constructiviste (Université Libre de Bruxelles). Letzte Publikationen: Die Versuchung des Wissens. Vorschläge für einen gemeinschaftlichen Umgang mit prädiktiver Gen-Diagnostik, Paderborn (Transcript) 2018.; Hg. mit Ulrike Vedder: Das Leben vom Tode her. Zur Kulturgeschichte einer Grenzziehung, Paderborn (Fink) 2015.

Die Veranstaltungsreihe wird von Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz, Kulturwissenschaft), Anne von der Heiden (Kunstuniversität Linz, Kunstgeschichte und Kunsttheorie) und dem Kepler Salon Linz ausgerichtet.

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