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Rehearsing (un-)learning

4. Juni 2019, 18.00 Uhr Kepler Salon, Rathausgasse 5, Linz

Vortrag von Sabeth Buchmann im Rahmen der Reihe "relatifs".

Mit Bezug auf die gegenwärtige Popularität von Topoi des Lernens/ Verlernens (siehe u.a. das Motto der documenta 14: „Learning form Athens“ oder der offenen Akademie in Graz: „(Un)Learning Contemporary Art“) sollen kollektive, dabei in der Regel körper-, interaktions- und partizipationsbetonte Formen der Wissensproduktion erörtert werden. Ausgehend von der Beobachtung eines übergreifenden Krisengefühls, demzufolge die lange Zeit für gültig befundenen Grundlagen von Kunst, Gesellschaft und Politik brüchig geworden sind, scheint es ein übergreifendes Bedürfnis nach ihrer Revision zu geben. Auf dem Prüfstand stehen dabei allererst kulturell und institutionell reproduzierte Ästhetiken, Ethiken und Epistemologien. Künstler*innen und Kurator*innen, Vermittler*innen, Kritiker*innen und Aktivist*innen eint dabei das offenkundige Interesse an gemeinsamen Medien und Orten des post-institutionellen und post-disziplinären Lernens: Sie vollziehen dies bemerkenswerter Weise in Formen der Improvisation und der Probe, die an den Neuen Tanz (Stichwort: Kontaktimprovisation) genauso erinnern wie an das postdramatische Theater und das narrative Kino. Der Vortrag geht den programmatischen Genrefizierungen und Fiktionalisierungen von Kunst als Wissensrespektive sozialer Praxis nach.

Sabeth Buchmann ist Kunsthistorikerin und -kritikerin und seit 2004 Professorin für Kunstgeschichte der Moderne und Nachmoderne an der Akademie der bildenden Künste Wien. 2016 war sie Gastdozentin an der UCLA in L.A. und 2017 Gastprofessorin an der Universität Zürich. Sie ist Beiratsmitglied der Zeitschrift Texte zur Kunst (seit 1998) und der Escola das Artes an der Universidade Católica Portuguesa in Porto (seit 2018) sowie Mitherausgeberin der Buchreihe PoLYpeN zu Kunstkritik und politischer Theorie. Aktuell forscht sie zu Praktiken der Probe und zum Topos des Unfertigen in bildender Kunst, Film, Theater, Theorie und Politik als Methode der Repräsentation und Reflexion künstlerischer Produktionsprozesse.

Publikationen (Auswahl): Putting Rehearsals to the Test. Practices of Rehearsal in Fine Arts, Film. Theater, Theory, and Politics, Berlin 2016 (hg. mit Ilse Lafer und Constanze Ruhm); Textile Theorien der Moderne. Alois Riegl in der Kunstkritik, Berlin 2015 (hg. mit Rike Frank); Hélio Oiticica & Neville D’Almeida, Experiments in Cosmococa, London 2013 (mit Max Jorge Hinderer Cruz); Film Avantgarde Biopolitik, Wien 2009 (hg. mit Helmut Draxler und Stephan Geene); Denken gegen das Denken. Produktion, Technologie, Subjektivität bei Sol LeWitt, Yvonne Rainer und Hélio Oiticica, Berlin 2007; Art After Conceptual Art, Cambridge, Mass./ Köln 2006 (hg. mit Alexander Alberrro).

Vortrag in deutscher Sprache

Die Veranstaltungsreihe wird von Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz, Kulturwissenschaft), Anne von der Heiden (Kunstuniversität Linz, Kunstgeschichte und Kunsttheorie) und dem Kepler Salon Linz ausgerichtet.

Übersicht aller Vorträge