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Antonia Dika

Kartierung der Lücke: Adriatische Küste zwischen Kaltem Krieg und Massentourismus

Beginn des PhD-Programms / Start of the PhD-Program: WS 2015

Betreuung / Supervision:
Sabine Pollak

Zwischen 1945 und 1990 machte die Küstenregion Jugoslawiens eine große Transformation durch. Das zuvor vorherrschend rurale Gebiet entwickelte sich in wenigen Jahren zu einer beliebten Tourismusregion. Der Tourismus brachte einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung mit sich und wurde, neben der Industrialisierung, als wichtigster Entwicklungsfaktor für die Region gesehen. Die Zeit des Tourismusbooms war aber auch die Zeit des Kalten Kriegs und das blockfreie Jugoslawien rüstete gegen einen potenziellen Angriff der NATO vom Meer aus. So wurden entlang von Küste und Inseln etliche hochgeheime Verteidigungsanlagen errichtet: Kanonenanlagen, Raketensysteme, Schiffsbunker, Radaranlagen, Kasernenkomplexe. Die erste Linie am Meer war, genauso wie für den Tourismus, auch für das Militär von strategischer Bedeutung.

Das PhD-Vorhaben untersucht die Auswirkungen militärischer Urbanisierung der Küste im Vergleich zur touristischen Entwicklung der Region. Anhand von sechs Case Study Locations wird der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die militärische Präsenz auf den Alltag der ortsansässigen Bevölkerung hatte, bzw. wie sich die Bedeutung und Wechselwirkung beider Nutzungen (Tourismus und Militär) im Laufe der Zeit veränderte. Besonderes Augenmerk gilt dabei den Zonen der Überschneidung des militärischen, touristischen und zivilen Sektors. Da die Quellenlage zu Entstehung und Nutzung militärischer Bebauung aufgrund des langjährigen Militärgeheimnisses und des darauffolgenden Jugoslawienkriegs sehr lückenhaft ausfällt, bildet auch die Eruierung der sogenannten Hard-Facts einen wichtigen Teil der Arbeit: Wer hat wann, wie, wo und wieso die Militäranlagen geplant, gebaut und genutzt? Gespräche mit ExpertInnen diverser Felder – ehemaligen Militärbediensteten, RaumplanerInnen, TouristInnen, lokaler Bevölkerung – stellen das Hauptinstrument der Informationsbeschaffung dar. Die räumliche Verortung der fragmentarischen Informationssammlung erfolgt über personenbezogene und themenspezifische Mappings, die ich dazu einsetze die Vielschichtigkeit und teilweise Widersprüchlichkeit der Oral History Überlieferung zu erfassen und zu dokumentieren.

Kurz-Biographie / Short Bio
Antonia Dika arbeitet als Architektin, Urbanistin und Forscherin in Wien. Sie wurde in Rijeka geboren und studierte Architektur in Wien und Berlin. Von 2009 bis 2018 war Sie für die Wiener Gebietsbetreuung Stadterneuerung (GB*7/8/16) tätig. Derzeit ist sie an der Kunstuniversität Linz (Fachbereich Architektur | Urbanistik) beschäftigt, wo sie das von FWF-Peek geförderte Projekt „Collective Utopias of Post-War Modernism: the Adriatic Coast as a Leisure and Defense Paradise“ leitet und an ihrer Dissertation arbeitet.

Email-Adresse / Email-Address:
antonia.dika@ufg.at

Weblink:
ntndk.tumblr.com

© Daniele Ansidei