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Nadja Reifer

Artificial Incubation - Sichtbarmachung von Inkubationsprozessen mithilfe von künstlicher Intelligenz

Beginn des PhD-Programms / Start of the PhD-Program​: WS 2020

Betreuung / Supervision:
Tina Frank
Bettina Bruder

Kreativität ist das exklusive Vermögen des Menschen und steht hinter jeder Idee, die unser Leben von der Antike bis heute geprägt haben. Das wissenschaftliche Verständnis kreativer Prozesse ist jedoch recht begrenzt, hauptsächlich aufgrund der traditionellen Überzeugung, dass Kreativität ein mysteriöses Rätsel ist, das sich empirischen Untersuchungen entzieht.
Eines der ersten Forschungsansätze des kreativen Prozesses stellte Graham Wallas (1926) vor, welche als Grundlage für viele darauffolgenden Theorien fungierte. Dabei teilt er den kreativen Prozess in ein 4-stufiges-Modell ein, welches die Phasen der Vorbereitung, der Inkubation, der Illumination sowie der Verifikation beinhaltet. Vor allem die unbewussten bzw. intuitiven Zustände während der Inkubationsphase innerhalb des kreativen Prozesses werfen noch sehr viele Fragen besonders im wissenschaftlichen Kontext auf. In letzter Zeit hat insbesondere das Interesse an der Aufdeckung der neuronalen Korrelate menschlicher Kreativität in Verbindung mit maschinell lernenden Systemen zugenommen. Dabei wurden vorhandene Versuchsansätze der „Computational Creativity“-Wissenschaft die Inkubationsphase in kognitive Systeme zu implementieren vorrangig mit einer algorithmischen Rationalität aufgebaut. Doch gerade die nicht rationellen Prozesse innerhalb jener Inkubationsphase sind wichtige Faktoren für den menschlichen Schaffungsprozess, sodass die Annahme aufgestellt werden kann, dass dies auch für die künstliche Kreativität ein wertvoller Treiber darstellen könnte.
Somit zielt dieses Forschungsvorhaben auf die Untersuchung der Inkubationsphase innerhalb einer künstlichen Kreativität ab und versucht mithilfe eines maschinell lernenden Systems diese in Form einer künstlerischen Auseinandersetzung zu simulieren und in weiterer Folge Erkenntnisse für die menschliche Kreativität abzuleiten, um somit künstliche Kreativität als Innovationskraft und Erweiterung der eigenen, menschlichen Kreativität zu nützen. Dabei können durch das methodisch künstlerische Vorgehen neue Modelle und Perspektiven entstehen und in weiterer Folge durch die Sichtbarmachung der Erkenntnisse ein öffentlicher Diskurs ermöglicht werden.

Kurz-Biographie / Short Bio
Nadja Reifer ist Kommunikationswissenschaftlerin und Künstlerin. Nach einem Bachelor-Studium für Marketing und Kommunikationsmanagement an der FH Kufstein hat sie sich während ihres Master-Studiums „Intermedia“ an der FH Vorarlberg auf Deep-Learning-Systeme im Designprozess spezialisiert. Aufbauend auf ihre Masterarbeit „Future Mind Extension“ vertieft sie nun ihre Arbeit auf die Sichtbarmachung von Inkubationsprozessen mithilfe von maschinell lernenden Systemen und setzt ihre Forschungen an der Kunstuniversität Linz fort. Die Reflexion über einzelne Prozesse und die zukünftige Entwicklung der Ideenfindung ist zentral für ihr aktuelles Projekt. Sie nutzt Design Fiction als Medium, um die Diskussion und Debatte unter Designern und der Öffentlichkeit über die kulturellen und ethischen Auswirkungen bestehender und aufkommender Technologien anzuregen.

Email-Adresse / Email-Address:
nadjareifer@yahoo.de

Weblink:
www.noosphäre.at/nadja_reifer

Virtual-Reality-Applikation „Routine Jobs“: Hierbei soll die Inkubationsphase mithilfe von Routinearbeiten wie beispielsweise Staubsaugen angeregt werden. © Nadja Reifer