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Zum Begriff der Bildspannung

26. März 2019, 18.00 Uhr Kepler Salon, Rathausgasse 5, Linz

Vortrag von Wolfram Pichler im Rahmen der Reihe "relatifs".

Der Terminus ‚Bild‘ soll in diesem Vortrag auf sehr spezielle Weise gebraucht werden: Er soll der Bezeichnung von Dingen dienen, die, im Zwischenbereich von Wahrnehmung und Phantasie angesiedelt, mit so problematischen Erscheinungen wie Bildgesichtern, Bildtieren, Bildpflanzen... und Bildräumen verbunden sind. Obwohl wir von Erscheinungen dieser Art praktisch ständig umgeben sind und mit ihnen meist einen selbstverständlichen Umgang pflegen, sind sie, philosophisch gesehen, keineswegs banal. Denn es ist unmöglich, ihnen Existenz zuzuschreiben, ohne begriffliche Hintergrundannahmen in Frage zu stellen. Um diesen problematischen Aspekt von Bildern – kurz gesagt: ihren Illusionsgehalt – vom jeweiligen materiellen Träger oder Vehikel zu unterscheiden, kann man ihn allgemein als ‚Bildinhalt‘ bezeichnen und sagen, dass zwischen Bildinhalten und ihren diskursiven Kontexten grundsätzlich eine Spannung besteht. Mit dieser Spannung wurde und wird auf unterschiedliche Weise umgegangen, sei es, dass man sie durch eine Fiktionalisierung des Bildinhalts oder durch begriffliche Anpassungen aufzulösen versucht, sei es auch, dass man Wege findet, sie zu kultivieren. Eine genauere Analyse dieser Zusammenhänge wird es ermöglichen, den angedeuteten Begriff von Bildspannung zu erläutern und weiter zu differenzieren. Ziel ist es, ein brauchbares konzeptuelles Instrument zur Untersuchung einer bislang nur unzureichend verstandenen Dimension von Bildern zu gewinnen – einer ästhetischen und zugleich kognitiven Dimension, hinsichtlich derer sie mit starken Metaphern vergleichbar sind.

Wolfram Pichler ist Professor für Kunstgeschichte an der Universität Wien und war zuvor u.a. Gastprofessor an der Pariser École des Hautes Études en Sciences Sociales, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Getty Research Institute in Los Angeles, Senior Fellow am Internationalen Kolleg für Kulturtechnikforschung und Medienphilosophie der Universität Weimar, Visiting Fellow an der Harvard University und Postdoc-Stipendiat am Kunsthistorischen Institut in Florenz. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen Bildtheorie, Theorie und Geschichte der Zeichnung und Kunst seit ca. 1750. Publikationen (Auswahl): Bildtheorie zur Einführung (mit Ralph Ubl, Hamburg 2014); Zur Händigkeit der Zeichnung, hg. mit Toni Hildebrandt und Hana Gründler (= Rheinsprung, 11. Zeitschrift für Bildkritik, Mai 2012); Bild und Bildlichkeit in Philosophie, Wissenschaft und Kunst / Image and Imaging in Philosophy, Science, and the Arts, hg. mit Richard Heinrich und Elisabeth Nemeth, Kirchberg 2010; Topologie. Falten, Knoten, Netze, Stülpungen in Kunst und Theorie, hg. mit Ralph Ubl, Wien 2009; Öffnungen: zur Theorie und Geschichte der Zeichnung, hg. mit Friedrich Teja Bach, München 2009.

Die Veranstaltungsreihe wird von Karin Harrasser (Kunstuniversität Linz, Kulturwissenschaft), Anne von der Heiden (Kunstuniversität Linz, Kunstgeschichte und Kunsttheorie) und dem Kepler Salon Linz ausgerichtet.

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